UdSSR 1

Peter Hacks

Peter Hacks - Zitate aus Politik, Kunst und Kultur

Lernen, lernen, nochmals lernen!
UdSSR 2

Als vor Jahren der Knabe Biermann auf seinem Wunderhorn daherschwatzte, was ihm so an Kleinigkeiten durch den Kopf ging, war das ganz allerliebst. Die Reime waren schon damals schlecht, die Verse holprig, die Gedanken kraus; die Worte waren schon damals nicht wichtig genug, um nicht des Beistands der Musik zu bedürfen, und die Melodien nicht stark genug, um ohne Worte standzuhalten, aber Biermanns Lieder waren bildhaft und wunderlich wie die, welche die Schäfer auf der Heide und die Dienstmädchen in den großen Städten singen.

Erst als ein fehlerhafter Ehrgeiz ihn trieb, sich an Heines Philosophie und Villons Weltgefühl zu messen, als er sich von den Alltagssachen weg und den Weltsachen zuwandte, verstieß er gegen die seiner Begabung angemessene Gattung und sank vom Volksliedsänger zum Kabarettisten.

Er wurde, was er ist: der Eduard Bernstein des Tingeltangel.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Neues von Biermann)


Aber Biermann ist ein Mensch, der für öffentliche Aufmerksamkeit alles tun würde, eingeschlossen seine eigene Hinrichtung. Wenn genug Publikum ist, würde er sie verlangen. Das ist ein pathologischer Geltungssüchtiger.

...

Dieser Mensch stört jede heitere Geselligkeit. Faschingsfeste bei Fritz Cremer wurden gesprengt von Biermann, welcher, wenn alle Leute unmittelbar vor dem Beischlaf standen, zu seiner Gitarre griff und den Leuten, ohne zu ermüden, stundenlang tragische Lieder vorsang. Der kannte keine Rücksicht. Er singt auch seinem Postboten vor. Es ist grauenhaft.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Ich bin an Freiheit absolut uninteressiert)


Die Schwierigkeit für die Leute zu begreifen ist, daß auch, wenn aus der DDR nicht ein Generalgouvernement Westdeutschlands gemacht worden wäre, sondern wenn wir ein normaler Bestandteil Westdeutschlands wären, daß das immer noch ein schlechter Tausch wäre. Also mit anderen Worten, die Leute müssen lernen, daß der schlechteste Sozialismus immer noch besser ist als der beste Kapitalismus.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Ich bin an Freiheit absolut uninteressiert)


Wo kommen, wenn in einem Land Faschismus gebraucht wird, wo kommen die entsprechenden Parteien, die entsprechenden Organisationen her...

Alle kapitalistischen Parteien sind ein Federbett und ein Hintergrund und ein Nährboden, aber sie sind nicht geeignet, die Organisation hervorzubringen. Sondern dafür braucht man eine zunächst Splittergruppe, die sich entschließt, dieses Geschäft zu übernehmen. Ich nehme an, in Deutschland werden es die GRÜNEN und dieses sogenannte Bündnis 90 sein. Also, es werden nicht die Nazis von Herrn Frey und nicht die Nazis von Herrn Schönhuber sein, sondern es werden die sein.

Nein, das ist ein Gesetz: Wer einmal geschlagen ist, kann nicht unter dem gleichen Namen wiederkommen. Der braucht eine neue Maske.

Deswegen glaub ich auch, daß eben in Deutschland nicht die beiden Nazi-Parteien die Keimzelle werden werden, sondern jemand auf den man nicht kommt. Und diese weinenden Kleinbürgerorganisationen, die gegen alles sind, was ist mit Recht, und überhaupt nicht wissen, wofür sie sind, weil sie nur dumm sind, die eignen sich.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Ich bin an Freiheit absolut uninteressiert, November 1992)


Die Konterevolution von 1989 wurde von wenigstens zwei sowjetischen Geheimdiensten, auch wohl von denen unterstellten Kräften im Staatssicherheitsdienst der DDR ins Werk gesetzt. Nach außen hin einberufen wurde sie von Künstlern. Zur Einberufung der Konterrevolution bequemten sich Mitglieder der Akademie der Künste der DDR, des Deutschen Theaters Berlin, des Berliner Ensembles, ferner auch des Staatsschauspiels Dresden. Kein Arbeiter, kein Bauer und kein Wirtschaftsleiter beteiligte sich an der Abschaffung des SED-Staats, freilich eine größere Anzahl von Amtsinhabern von der SED.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Zur Romantik)


Gysi: Ein Noske, der noch erst den Kautsky gibt.

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Gysi? Ich glaube da war sogar Levi besser.

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Das man für Konterrevolution Revolution sagt, ist schon seit Hitler. Daß man für Rechts Links sagt, ist erst seit Gorbatschow.

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Jeder, der kein Idiot war, wußte auf Anhieb: Stalin aufgeben ist Marx aufgeben. Aber es geht ja weiter. Wer Marx aufgibt, gibt Hegel auf, und wer Hegel leugnet, leugnet Goethe, Robespierre und Adam Smith. Kurz, die Liquidation Stalins hat zur Folge die Liquidation alles akkumulierten Wissens.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Notate)


Maxime des Fernsehens: Jeder, der ein Menschenantlitz trägt, hat das Recht, es vor eine Kamera zu halten und mitzureden, und zwar über alle Dinge. Das bedeutet kaum weniger als Abschaffung der Sprache, Abschaffung der Kommunikation, Zulassung der unbefugten Äußerung.

Peter Hacks (Marxistische Hinsichten, Niederschriften)


Denkmal für ein Denkmal

Wenn ich mit meiner Gemahlin
Im Traum ins Kino geh,
Steht ein schöner schwarzer Stalin
Auf seiner gelben Allee.

Von marmornem Sockel gibt er
Den Sieg der Völker bekannt.
In die Litewka schiebt er
Die müde rechte Hand.

Noch hält er in der Linken
Den großen Schlachtenplan.
Er läßt ihn achtlos sinken.
Die Arbeit ist getan.

Er blickt sehr würdig, seiner
Sehr sicher auf die Stadt,
Unangestrengt wie einer,
Der sie gerettet hat.

Der plumpe Narr Nikita
Zog ihn aus dem Betrieb.
Er tat es seinem Gebieter
In Washington zulieb.

Der Weltlauf ist gewendet.
Die Helden stürzen hin.
Die Alte Zeit geschändet,
Die Zukunft ohne Sinn.

Allein die Heimatgedichte
Beklagen das klaffende Loch
In der Heimatgeschichte.
Gäb Gott, er stände noch.